Knickebein, eine altenaer Likörspezialität

 

Nicht ganz so bekannt wie Potthucke, aber nicht weniger beliebt – vor allem unter Altenas Schützenbrüdern  – ist Knickebein, eine altenaer Likör-Spezialität, ein „Kurzer“ zum Kippen, nicht gerührt und nicht geschüttelt, ein optischer und geschmacklicher Augen- und Gaumenschmaus, den so richtig zu genießen – selbstverständlich in entsprechender Gesellschaft – es ein eigenes Ritual erfordert.

Nach alter Überlieferung geht dieses Getränk zurück auf den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer, der man aber nicht verpflichtet ist, den geringsten Glauben zu schenken.

Bei einem entsprechenden Trinkgelage mit Knickebein erhebt sich ein Mitzecher, bevor der Inhalt des Glases in die Kehle gestürzt wird, und leitet das Ritual mit einem lauthals vorgetragenen Gedicht ein:
 
 

Als der Sandwirt von Passeier
Innsbruck hat im Sturm genommen
Ließ es sich ein Dutzend Eier
Und dazu zwölf Schnäpse kommen
Machte daraus eine Mischung
Trank sie aus und knickte ein
Und seit dem heißt diese Mischung
In ganz Deutschland "Knickebein"

 

Worauf die ganze Meute zu der Melodie "Du, du liegst mir im Herzen" singt:

 

Knickebein, Knickebein, du mein Vergnügen
Knickebein, Knickebein, du meine Lust
Gäb es kein Knickebein, gäb's kein Vergnügen
Gäb es kein Knickebein, gäb's keine Lust

Darauf brüllt der Vorsprecher:

Knicke ...

und die Mitzecher brüllen zurück:

... Bein

Knicke... ... Bein
Knicke... ... Bein

 

 

Erst dann wird das „Häubchen“ ganz vorsichtig von dem Glas in den Mund gesogen und der edle Alkohol gleich darüber gegossen, bevor das ganze in der Kehle verschwindet.

Tja, aber woraus besteht nun dieses edle Gesöff mit dem Häubchen drauf?

Also, man braucht dazu spezielle Likörgläser, etwa in der Form wie oben gezeigt.
Die Liköre besorgt man sich im Getränkefachhandel, man greife vorzugsweise zu der Marke, die mit „B“ anfängt und mit „ols“ aufhört, die eignen sich am Besten.


- Unten ins Glas kommt grüner Likör (Minze),
- in die Mitte roter (Edelkirsch)
- und oben drauf blauer (Curacao, auch als „blauer Engel“ bekannt).

 

Wer keinen blauen Curacao hat, darf auch weißen nehmen.


Diese Liköre werden in dieser Reihenfolge „eingeschichtet“, sie dürfen nicht ineinander verlaufen, was ein ausgereiftes Maß an Vorsicht und Können erfordert.

Unterstützen kann man dieses „Schichten“, indem man die Liköre vorher einer entsprechenden thermischen Behandlung unterzieht: Der grüne kommt rechtzeitig in den Gefrierschrank, der rote in den Kühlschrank, und der blaue wird bei Zimmertemperatur stehen gelassen.


Wenn man nun diese Flüssigkeiten künstlerisch im Glas sortiert hat, kommt oben drauf noch vorsichtig ein Eigelb, worauf ein wenig Kaffeepulver und ein wenig Pfeffer gestreut wird.

 

Wer diese Mischung schon einmal getrunken hat, wird mir recht geben: Das schmeckt !!!
Und obendrein ist dieser Beinknicker noch wahrhaft nahrhaft! Allein das Eigelb ersetzt ein halbes Frühstück!

 

Aber wer dieses Getränk noch nie probiert hat und jetzt hier vielleicht in Unkenntnis des geschmacklichen Hochgenusses etwas skeptisch die Nase rümpft – so von wegen mit dem Eigelb obendrauf und so – und sich zwangsweise die – selbstverständlich absolut überflüssige – Frage stellt, wie man so ein „Zeugs“ denn überhaupt trinken kann, dem sei die alte westfälische Weisheit ins Gedächtnis zurückgerufen:

 

Der Sauerländer mißtraut Allem ...


... es sei denn, es läßt sich trinken

 

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