Der Ritter von der Isenburg

 

Vor langer Zeit führte ein bedeutender Handelsweg der Hanse von den norddeutschen Städten nach Frankfurt an Altena vorbei über die Giebel bei Dahle. Diese Straße wurde als Iserweg oder Frankfurter Weg bezeichnet.

 

Dort auf der Giebel erhob sich die stolze Isenburg, auch bekannt unter den Namen Haus Iselbeck oder Isselbacher Burg, die im 13. Jht. von den Grafen von Altena und der Mark an den Ritter Adolf von Altena als Lehen vergeben wurde.

Die Nachfahren dieses Ritters Adolf entwickelten sich zu Raubrittern. Einer dieser Ritter, dessen Name nicht überliefert ist, war ein ganz ruchloser Räuber. Er überfiel wehrlose Händler und Pilger, die den Handelsweg entlang kamen, oder er plünderte mit seinen Dienern und wilden Horden die Bauernhöfe in der Umgebung aus. Er machte in seiner Gier weder vor Reich noch Arm halt und vermehrte so auf schreckliche Weise sein Vermögen und häufte enorme Schätze an.

Manchem reichen Edelfräulein machte er den Hof, verschleppte es auf seine Burg, heuchelte ihm Liebe vor und nahm ihr Hab und Gut, um es alleine zu verprassen, während die Ärmste auf der Burg gefangen blieb, bis sie vor Kummer und Gram dahinstarb.

In seiner Geldgier kannte er kein Maß und kein Ziel.

 

Und so wurden seine Freveltaten der Westfälischen Feme vorgetragen. Diese Femegerichte waren Freigerichte und urteilten im Namen Gottes und des Kaisers. Sie verhandelten über Verbrechen wie Raub, Mord und schweren Betrug und kannten als Urteil nur Freispruch oder Todesstrafe.

Also wurde auch der Ritter von der Isenburg vor dieses Gericht geladen.

Aber er folgte dieser Ladung nicht und vertraute dem Schutz seiner Burg.

So fiel er zwangsläufig der Heiligen Feme anheim.

Nachdem sich seine Burgleute und Knechte weigerten, ihn auszuliefern, wurde er in Abwesenheit verurteilt, für vogelfrei, recht- und friedlos erklärt, man überwies seinen Hals dem Strick, seinen Leichnam den wilden Tieren und seine Seele Gott im Himmel, so der sie dann zu sich nehmen wolle, und sein Schloß der Zerstörung.


Das Urteil der Feme wurde an das Burgtor geschlagen. Da verlor er den Mut, schlich sich nachts vom Schloß, vergrub den größten Teil seiner Schätze unweit seiner Burg unter einer mächtigen Eiche und wollte fliehen. Aber er wurde entdeckt und versteckte sich wieder auf seiner Burg. Weil er aber das rastlose Leben, den Kampf und die Jagd liebte, wagte er sich doch nach wenigen Tagen in den Wald, um zu jagen.

Von diesem Jagdritt kam er nicht zurück.

Man fand ihn aufgehängt an einem Baume. Das aus Weidenrinde geflochtene Henkersseil um seinen Hals war das Zeichen, daß die Feme ihr Urteil vollstreckt hatte. Der Isenburger war seiner gerechten Strafe zugeführt.

 

Die Burg wurde gestürmt; der Richter kam mit vielen Gefolgsmännern, klopfte drei mal mit einem Hammer gegen die Burgmauern, wie es das Femerecht vorsah. Die Diener und Töchter des Ritters von der Isenburg starben darauf unter dem Schwert, und die Burgmauern, Gebäude, Türme und der Ringgraben wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Niemand durfte die Burg wieder aufbauen oder die Reste als Baumaterial verwenden.

Erst viel später, als die Zeiten der Feme längst vorüber waren, wagte man sich, dort Steine zu holen.

Heute sind an diesem Ort nur noch ein paar Steinhaufen zu finden, die von der einstmals stolzen Burg künden.

 

Der räuberische Ritter aber fand seine ewige Ruhe nicht; bis heute bewacht er seinen vergrabenen Schatz, und manch mutiger Wanderer hat ihn zur Mitternacht über die Giebel reiten sehen, um sein Schloß zu suchen.

Dann zieht er traurig zu dem Wald, wo er den Tod einst fand.

 

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